#29 Verantwortung | Fehlerkultur | Peer Learning| Interview mit Jan Orthey

Shownotes

In dieser Episode von „Führen mit Herz und Verstand“ spricht Normen Ulbrich mit Jan Orthey, Geschäftsführer eines traditionsreichen Buchhandelsunternehmens und Pionier für moderne, agile Führungskultur. Sie diskutieren, wie man ein Familienunternehmen durch verantwortungsvolle Führung und innovatives Denken erfolgreich in die Zukunft führt. Erfahre, wie Jan Orthey mit ungewöhnlichen Ansätzen wie der Abschaffung von Budgets und einer starken Fehlerkultur seinen Buchhandel transformiert hat.

Themen der Episode:

  1. Agile Führung ohne Budgets – Mehr Verantwortung, mehr Freiheit:

    • Warum Jan Orthey keine Budgets braucht und wie dies zu mehr Motivation und Eigenverantwortung im Team führt.

    • Wie Entscheidungen direkt dort getroffen werden, wo sie gebraucht werden – ohne bürokratische Hürden.

  2. Fehlerkultur als Erfolgsfaktor:

    • Weshalb Fehler in Jan Ortheys Unternehmen willkommen sind, solange sie neu sind.

    • Wie eine offene Fehlerkultur die Innovationskraft fördert und das Team stärkt.

  3. Tradition trifft Innovation – Der Wandel im Buchhandel:

    • Wie es Jan Orthey gelingt, die Buchhandelstradition seiner Familie mit modernen Methoden zu verbinden.

    • Der Erfolg von „New Adult“-Literatur als Beispiel für schnelle Marktanpassung.

  4. Mitarbeiterentwicklung durch Eigenverantwortung:

    • Warum alle Mitarbeitenden bei Jan Orthey ihre eigenen Produktbereiche verantworten und wie dies zu einem positiven Arbeitsumfeld führt.

    • Die Bedeutung einer erstklassigen Ausbildung und kontinuierlichen Entwicklung im Buchhandel.

  5. Tipps und Ratschläge für Führungskräfte:

    • Wie Du als Führungskraft durch Vertrauen, Verantwortung und eine offene Fehlerkultur Dein Team zu Höchstleistungen bringst.

    • Warum Mut zum Wandel und eine starke Unternehmenskultur heute wichtiger denn je sind

Links:
Lünebuch - Die Buchhandlung in Lüneburg

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Transkript anzeigen

29 - Jan Orthey.mp3

Jan Orthey: Wir können dadurch, dass wir keine Budgets bei uns im Haus haben, viel schneller auf Trends reagieren. Denn ich kann doch nur auch das verlangen, was schon mal geübt wurde.

Normen Ulbrich: Der Erfolg eines Unternehmens hängt ganz entscheidend von der Führungskultur im Unternehmen ab. Denn wenn sich Mitarbeiterinnen zufrieden fühlen, steigt die Produktivität um bis zu 20 %. Doch die Frage lautet Wie kann das bei dem hohen Druck, der Zeitverdichtung und den vielen operativen Aufgaben gelingen? Lausche den Deep Talks und erhalte erprobte und praxisnahe Führungswerkzeuge für eine sinn und menschenorientierte Führung. Erlebe gleichzeitig, wie eine positive innere Haltung den Unterschied bei meinen Gästen gemacht hat. Ich bin Norman Ulbrich und heiße dich herzlich willkommen zu meinem Podcast führen mit Herz und Verstand. Heute darf ich euch einen ganz besonderen und wunderbaren Gast ankündigen. Er stammt aus einer Traditionsreichen Buchhändlerfamilie, die seit fast 90 Jahren im Literaturgeschäft verwurzelt ist, und hat es geschafft, diese Tradition mit einigen innovativen Ideen zu verbinden. Seit 2010 führte das Familienunternehmen Lüneburg im Herzen Lüneburgs mit großer Leidenschaft und einem klaren Blick für und in die Zukunft. Unser Gast engagiert sich stark im Bereich der Leseförderung und des nachhaltigen Handelns. Sein Engagement wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Deutschen Buchhandlungspreis. Zudem ist der Gründer der bundesweiten Initiative Buy Local, die sich für ein gelungenes Miteinander und die Stärkung des Vor Ort Einkaufens einsetzt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Industrie und den Handel in unserer Region nachhaltig zu stärken und innovative Strategien zu entwickeln. Als Geschäftsführer der Lüneburg GmbH und Vorsitzender des SortimenterAusschusses beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat er maßgeblich dazu beigetragen, den Buchhandel zukunftsfähig zu gestalten. Privat ist ihm die Bildung seiner Tochter besonders wichtig. Und er setzt sich dafür ein, dass Bücher auch in einer digitalen Welt ihren festen Platz behalten. Denn für ihn sind Bücher nicht nur Wissensträger, sondern auch eine Möglichkeit, unserem Geist Ruhe zu geben und der Fantasie Flügel zu verleihen. Und damit sage ich Herzlich willkommen im Podcast. Ich freue mich riesig, dass ich heute bei Dir sein darf. Jan Ortheil.

Jan Orthey: Moin Moin! Vielen Dank, dass du bei mir bist.

Normen Ulbrich: Genau. Heute mal wieder ein Podcast ganz live und hier in deinen schönen Räumlichkeiten. Da können wir vielleicht nachher noch mal zu. Du bist vor einiger Zeit ja umgezogen, aber da gucken wir nachher noch mal hin. Vielleicht. Ähäm, vielleicht passt das noch in unserem Podcast. Mich würde Jan. Mich würde als erstes interessieren, dass du uns einmal von dem Moment erzählst, als du wusstest, ich übernehme das Familienbusiness.

Jan Orthey: Das waren in der Tat spannender Moment, weil das deutlich vor 2006 war, als ich ins Unternehmen eingetreten bin. Als Kind selbstständiger Unternehmer hast du, glaube ich, ganz viele Berufswünsche, aber keinesfalls das, was deine Eltern machen. Weil du von klein auf damit aufwächst, dass das dazu führt, dass du nie da bist, dass du morgens schon aus dem Haus bist, bevor die Kinder aufwachen und abends wieder kommst, lange nachdem sie schlafen. Am Wochenende bist du auch unterwegs. Also das ist schon etwas, was aus Kindersicht sehr, sehr fordernd ist und was dazu führt, dass du eigentlich sagst das keinesfalls. Das Schöne daran war, dass meine Eltern auch uns dreien. Ich habe noch zwei Brüder und dreien, das ist völlig freigestellt haben, worauf wir im Leben Lust haben. Also Abitur war schon klar, das war vorgegeben, das war Pflicht und alles weitere muss man dann mal sehen. Und uns wurde alles ermöglicht, was was man sich wünschen kann dabei an Bildungsmöglichkeiten. Ich habe dann mal versucht zu studieren. Das habe ich erfolgreich abgebrochen, weil ich festgestellt habe, dass das dann doch nicht das Richtige war. Habe dann eine Ausbildung gemacht und habe dort danach längere Jahre oder einige Jahre im Ruhrgebiet als Medienberater gearbeitet. Und da kam irgendwann dann mein Vater mal auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, das zu übernehmen. Hier für meine beiden Brüder kam das, glaube ich, nicht infrage. Der eine ist Chirurg und der andere ist im Management tätig. Das war irrelevant dabei. Und auf mich kam er dann zu. Vielleicht auch mit der Hoffnung, aber erstmal mit der offenen Frage und dann habe ich mich erstmalig intensiver damit beschäftigt und habe auch festgestellt, dass man damit durchaus Geld verdienen kann.

Jan Orthey: Mit Buchhandel, wenn man das ein bisschen clever anstellt und da war dann natürlich mein Interesse auch geweckt. Und dann haben wir uns hingesetzt und haben einen Plan ausgearbeitet. Er und ich haben uns also die, die Unternehmensstruktur angeguckt haben, uns angeschaut, welche, welche Kernbereiche gibt es, haben die aufgeschrieben, haben die aufgegliedert und haben dann angefangen, einen Zeitstrahl daraus zu erstellen. Und der begann zum 1. 07. 2006 und endete am 31. zwölfte 2010. Und da war schon klar von vornherein, bevor ich einen Fuß hier in die Firma gesetzt hatte, wann welche Kompetenzen auf mich übergehen, wann er was zu entscheiden hat, wann ich was zu entscheiden habe oder ab wann. Und das ist, glaube ich, auch das, was diesen reibungslosen und sehr leisen und harmonischen Übergang ermöglicht hat. Das ist das, was ich glaube vielen anderen Familienunternehmen sehr, sehr schwerfällt. Fällt und was zu großen Schwierigkeiten führen kann, wenn man das nicht vernünftig plant. Und wenn man da auch für beide Seiten, also für den, für den Altinhaber oder die die bisherigen Inhaberinnen und inhaber und die Neuinhaber. Wenn da keine klare Abgrenzung ist, führt das immer zu Unzufriedenheit. Auf allen drei Seiten, nämlich Alt, Neu und Mitarbeitern. Und damit ist sind die Probleme vorprogrammiert. Und das haben wir nicht gemacht. Das muss ich meinem Vater auch wirklich hoch anrechnen. Diese Weisheit, die hatte ich damals mit Sicherheit nicht und auch die Konsequenz darin Er hat mich dann machen lassen. Wir haben immer miteinander gesprochen darüber, aber am Ende hat er immer gesagt Deine Entscheidung, mach du, wie du das glaubst. Ich glaube oder ich vermute, dass es so und so ausgehen wird, aber probiere es gerne. Und das hat wunderbar funktioniert.

Normen Ulbrich: Das war wie so eine Art Berater quasi für dich und hat ja seine jahrelange Erfahrung sozusagen Angeboten.

Jan Orthey: Ja, genau. Und hat das aber auch auf eine Art und Weise getan, die man annehmen kann. Okay, also es gibt da ja auch Möglichkeiten, dass das zu machen, dass man das dankend ablehnt. Das hat er nicht gemacht und das hat er auch nie getan. Mittlerweile ist es dann hat sich das ein bisschen gedreht, ein bisschen gewandelt. Wir sprechen immer noch auch über die Firma miteinander, aber der Informationsaustausch ist eben in die andere Richtung.

Normen Ulbrich: Spannend, weil, ähm. Also so aus meiner Beobachtung, da würde ich das, würde ich unterschreiben, was du gesagt hast, dass es oft bei Familienunternehmen genau an der Stelle dann hakt, dass die alte Generation irgendwie nicht so richtig loslassen kann. Ähm, ich habe es auch schon erlebt, dass dann die Junge irgendwann sagt okay, jetzt reicht's, jetzt mache ich mein eigenes Ding, weil darauf habe ich irgendwie gar keinen Bock. Ähm, hier übernehmen zu zu sollen und dann aber irgendwie doch nicht entscheiden zu können und ist ja wahrscheinlich auch, äh, ähm, Ich gehe davon aus, dass das Thema Buchhandel und Digitalisierung und Transformation unserer unserer Welt. Ähm, das dass ihr davon sehr stark betroffen seid, ist ja vermutlich dann auch schwierig für für jemanden, der aus einer ganz anderen Welt kommt, ähm quasi zu erkennen, wo sind denn die Chancen und wo sind Risiken? Wo muss ich vielleicht auch irgendwie Dinge machen, obwohl ich die gar nicht verstehe oder kenne? Wie habt ihr das gelöst?

Jan Orthey: Wir sind natürlich in einem absolut fordernden Business, was das angeht. Also wir sind die ersten, die ersten Leidtragenden der Digitalisierung des eCommerce gewesen. Als Buchhandel oder als Buchhandelslandschaft?

Normen Ulbrich: Amazon Ja, gestartet als Online.

Jan Orthey: Als Onlinebuchhandlung. Das hat aber nicht wirklich was mit literarischer Leidenschaft zu tun, sondern die Vorteile liegen auf der Hand. Bücher sind nicht verderblich, stapelbar. Heißt also lagertechnisch wunderbar. Du hast in Deutschland ein Buchpreisbindungsgesetz. Du hast auch noch feste Preise. Du hast also keinen Wettbewerb, zumindest keinen Endkundensicht. Und damit ist das das ideale Versuchsfeld genau dafür gewesen.

Normen Ulbrich: Und ich habe mal gelesen, dass in Amerika auch die Dichte der Buchhandlung also viel, viel geringer ist als bei uns. Das heißt, ich musste eigentlich viel weiter fahren und damit war dann wahrscheinlich für so ein Onlineangebot auch der Markt dann noch einfacher zu erreichen.

Jan Orthey: Richtig, in den USA ist es wirklich so, dass du nur in Ballungszentren überhaupt Buchhandlungen hast. Eine flächendeckende Versorgung der ländlichen Bereiche gab es nicht und gibt es auch bis heute nicht. Dann hast du eben vollen Preiswettbewerb dabei. Auch und das ist der Grund, warum Amazon dort in den USA wirklich der Heilsbringer war. Und dieses Konzept auch übertragen konnte, natürlich und skalieren konnte. Also grundsätzlich muss man auch mal sagen, ich habe überhaupt keine Schmerzen mit Amazon, die machen einen guten Job, sonst wären sie nicht da, wo sie jetzt sind. Wir müssen uns darauf einstellen, dass Kundenbedürfnisse sich ändern. Und am Ende des Tages ist auch immer großer politischer Willen dabei. Wettbewerbsgleichheit herstellen zu wollen oder nicht? Das sind noch andere Themenbereiche dabei, wo wir im stationären Handel immer noch ein bisschen hintendran stehen. Aber wo ich glaube, dass wir zusehends dort auch eine Relevanz im politischen Bereich erkennen können.

Normen Ulbrich: Jetzt also ist das ja, dann ist ja meine Idee irgendwie ganz, ganz richtig, dass da eine eine Menge Wandel in den letzten Jahren Jahrzehnten stattgefunden hat, vermutlich ja auch noch mehr stattfindet. Also ich habe da gar keine Zahlen, aber ich würde annehmen, dass das dass auch nicht jeder Buchhandlung gelingt, damit umzugehen oder einen Weg zu finden wie. Also was mich interessiert ist, wie findet ihr euren Weg? Also wie? Wo würdest du sagen, Seid ihr innovativ? Wo? Wo? Wo? Wo? Nehmt ihr Amazon? Irgendwie als. So habe ich das ja gerade verstanden. Als. Als, ähm. Ja, als als Wettbewerber. Im Prinzip war wie die vielleicht die andere Buchhandlung um die Ecke auch. Und was macht das dann mit dir, mit deinen Mitarbeitenden? Du hast über 30 Mitarbeitende. Die die. Also wie wird man Buchhändler? Weiss ich nicht. Kannst du mir auch gleich sagen. Vermutlich, wenn man Bock auf Lesen hat und auf Bücher. Also ähm und genau. Also wie, wie kriegst du die dazu, in dieses, in dieses neue Geschäftsfeld irgendwie zu blicken? Ne? So.

Jan Orthey: Ähm. Lass mich mit dem Wandel anfangen. Ich glaube, kaum ein Medium wurde so oft totgesagt wie das Buch. Also wie oft ist da schon der Abgesang eingeleitet worden? Das wird alles nix mehr. Das war beim Radio so, als das aufkam. Dann hieß es braucht ja keiner mein Buch. Dann kam Fernseher oder kam Kino, Fernsehen usw. Ja, wie oft wir das schon hinter uns haben? Wage ich nicht zu zählen. Und es sind noch nie so viele Bücher gelesen worden wie heute. Das heißt also. Und da kommen wir zu dem Wandel dabei. Was macht das Produkt Buch eigentlich so unfassbar resilient? Was ist? Was ist es, was das Buch? Dem Buch es ermöglicht, über Jahrzehnte und Jahrhunderte als relevantes Medium zu bestehen und auch noch zu wachsen. Und das ist in meinen Augen der Wandel vom Informations zum zum Freizeitträger. Das heißt also, früher war war Literatur. Rein bildungstechnisch war wenig wenig zum Privatvergnügen, sondern da ging es um, um, um um Erlernen von Fähigkeiten, um um, um Bildung. Im wahrsten Sinne, im weitesten Sinne. Heutzutage ist es eine. Ist es eine, ein Benefit. Die, die ich mir selber gebe. Heutzutage ist es etwas, wo ich, wo ich mir meine schönste, meine teuerste Zeit mit verschönern möchte, nämlich meine Freizeit. Das heißt also, der Kunde kommt heute zu uns mit einem direkten Wunsch und Bedürfnis. Und da kommen wir dahin, dass wir etwas können, was, was der Onlinehandel nicht kann und in absehbarer Zeit auch nicht können wird, nämlich ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse unserer Kunden zu haben.

Jan Orthey: Wir haben ein unglaublich großes Fachwissen gebündelt bei uns im Haus mit unseren zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir beschäftigen ausschließlich gelernte Buchhändlerinnen und Buchhändler in der Beratung. Das ist ein Riesenunterschied zu fast allen anderen Marktbegleitern. Auch stationär. Wir bilden sehr erfolgreich selber aus. Wir haben aktuell sechs Auszubildende bei uns im Unternehmen. Das heißt zur Frage Wie wird man eigentlich Buchhändler? Kann ich dir sagen, dass das auf jeden Fall drei Jahre dauert? Bei uns zumindest. Du hast bei uns auch keine Verkürzungsmöglichkeiten. Wir gehen da sehr klar damit um, weil wir der Meinung sind, dass die das die Ausbildung so komplex ist, dass sie auch eine gewisse Zeit erfordert. Wir schicken unsere Auszubildenden nicht in die klassische staatliche Berufsschule, sondern es gibt einen Internatsbetrieb. Die nennen sich Media Campus, wird betrieben vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, also unserem Dachverband. Und da gehen unsere Auszubildenden in zwei Blöcken zu neun Wochen hin und werden dort wirklich perfekt vorbereitet für das, was sie, was sie im Leben als Buchhändlerinnen und Buchhändler benötigen. Wir haben hausintern Azubiunterricht bei uns, und wir können mit Sicherheit sagen, dass wir hier die beste Ausbildung bieten, die es gibt. Und das ist der Grund natürlich auch, warum wir uns unsere Azubis nach wie vor aussuchen können. Im Gegensatz zu vielen anderen.

Normen Ulbrich: Ist das so, Ja.

Jan Orthey: Ja, das ist so, denn wir haben auch eine ganz klare Maßgabe über mich, dass unser Geschäftsbetrieb jederzeit regulär läuft, auch ohne einen einzigen Auszubildenden. Also die sind nicht dazu da, um uns Arbeiten abzunehmen. Die sind auch nicht dazu da, um billige Arbeitskräfte zu sein, sondern die sollen hier was lernen. Und die ersten ein, anderthalb, manchmal zwei Jahre ist das so und dann kommen sie in den Bereich dessen, wo sie auch uns was bringen können. Aber die können uns auch nur was bringen, wenn wir gut vorgearbeitet haben. Grundsätzlich ist es wirklich so, dass ich großen Wert auf diese Ausbildung lege und dass ich, dass ich den den Jugendlichen oder eben auch den Menschen insgesamt. Wir haben Auszubildende jeden Alters auch schon gehabt, dass ich, dass ich sicherstellen will, dass sie mit dem, was sie hier erlernen, vollständig bei uns in der Branche gut bestehen können. Wir haben noch nie einen Auszubildenden in die Arbeitslosigkeit entlassen, zum Beispiel. Wir bilden deutlich über unseren Bedarf aus. Aber jeder, der bei uns mit einem Arbeitszeugnis von Lüneburg in die Buchbranche unser Haus verlässt, kriegt eine Anstellung. Das haben wir noch nicht erlebt, dass da einer irgendwo liegen geblieben ist.

Normen Ulbrich: Gut, das scheint ja, was den Arbeitsmarkt angeht, demografischer Wandel usw in den nächsten Jahren so oder so nicht absehbar zu sein.

Jan Orthey: Das ist richtig. Ja, das scheint so so zu sein. Also wenn.

Normen Ulbrich: Ich nicht. Ich meine, selbst wenn ich nicht im Buchhandel gehe. Also ich werde ja nicht nur Buchexpertise sozusagen mitkriegen, sondern auch andere Dinge, die ich in in anderen Berufen durchaus auch brauchen kann, würde ich annehmen. Ja, natürlich, natürlich.

Jan Orthey: Du, du hast, Du kriegst eine klassische kaufmännische Ausbildung hier und eben den gesamten Buchbereich noch obendrauf. Und um den Bogen zu schlagen zur Eingangsfrage dabei Was macht es so gut möglich? Der Kunde kommt ja mit einem Bedürfnis oder mit einer Frage hier ins Haus. Und die lautet eigentlich nur Ich möchte ein Buch. Nun haben wir fast 100.000 Neuerscheinungen im Jahr. Wir haben. Also wir sind hier in einem Segment des Handels, was sich jeden Tag mehrfach neu erfindet. Nirgendwo sonst gibt es so einen Novitäten Output, so viel Neuerungen. Und der Kunde kommt aber mit dem Wunsch, eigentlich nur ein einziges Buch bei uns haben zu wollen, nämlich das für ihn passende. Und dann kommt der große Erfahrungsschatz, der große Wissensschatz, der die große Kenntnis der der Literaturwelt von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Tragen. Durch gezielte Fragestellungen, durch Gespräch herauszukristallisieren und zu destillieren, welches das denn ist. Und das kriegt der Kunde dann von uns und ist verblüfft darüber, wie toll und wie wundervoll das doch ist und dass ihm das wirklich einen Mehrwert bietet. Und dann kommt er auch wieder. Und das erzählt er auch weiter. Und das ist etwas, was der Onlinehandel in absehbarer Zeit nicht kann. Um beim Kollegen Amazon zu bleiben. Das versucht er ja schon seit Ewigkeiten. Mit Kunden, die das gelesen haben, haben auch das. Oder Kunden, die das gekauft haben, kauften auch das. Ja, wir wissen alle, wie hoch die Treffersicherheit dabei ist, wenn du im Mainstream bist. So what? Kannst du machen, aber klüger wirst du dadurch trotzdem nicht. Weil du dich dann trotzdem immer nur in deiner Bubble bewegst. Wenn du aber wenn du mal mal mehr von von dir. Oder mehr erwartest von dem, was du. Was du bekommst, dann bist du bei uns richtig.

Normen Ulbrich: Wie gibst du. Das passt so ein bisschen auch zu dem, was du zu den Auszubildenden gesagt hast. Also das habe ich verstanden, dass. Also, dass ihr die wirklich im Kern ausbilden wollt. Ähm, habe ich mich gerade so erinnert gefühlt an. An Dezimeter. Die haben, ähm. Die haben ihre Lehrlinge in Lernlinge umbenannt als Begrifflichkeit, um auch dieses Mindset zu transportieren. Es geht nicht darum, dass der die Klorollen einräumt oder hier die Bücher oder was auch immer. Sondern es geht darum, dass der etwas lernt und dass. Dafür sind wir sozusagen da. So, und das finde ich, finde ich spannend. Ähm, also weil das Dezimeter das macht, ist ja das eine. Aber dass du als Einzelhändler vor Ort als als Mittelständler, der viel kleiner ist logischerweise, Dass du trotzdem das so umsetzt. Das ist ich weiß nicht, ob es selten ist, aber. Also ich kenne eine Menge andere. Mittelständler oder oder auch Händler, wo ich sagen würde, da ist der Azubi also quasi eine Arbeitskraft. Ähm, es gibt ja Geschäftsmodelle, die so aufgesetzt sind, dass die nur mit zwei, drei Azubis oder die dualen duale Ausbildung funktionieren. Jetzt macht ihr das nicht, wie das ist, aber würde ich sagen aus meiner Erfahrung untypisch. Also viele ältere Menschen, gerade die haben das eher anders erlebt. Also die haben eher den den Auszubildenden als das ist vielleicht ein bisschen hart formuliert, aber so als als Lakaien irgendwie. Der macht dann die Arbeit, die andere nicht machen wollen. Die macht der dann. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, heißt es. Ja. Oder hieß es in vielen Bereichen Wie kriegst du deine deine Mitarbeitenden dazu, dass die dir auf diesem Weg folgen. Also das ist ja vielleicht nur ein Beispiel. Es wird ja noch andere geben, wo du irgendwie neue Wege eingeschlagen hast und da ist es ja immer irgendwie schwierig. Also alle irgendwie davon auch so zu begeistern, wie du vielleicht begeistert bist von der Idee.

Jan Orthey: Ich ich muss die gar nicht großartig begeistern. Okay, hört sich vielleicht blöd an, aber es ist nicht so, als wenn ich hier als Gute Laune Bär immer den ganzen Tag durch die Bude laufe und allen ein Lächeln ins Gesicht hämmere, sondern wir arbeiten insgesamt anders als viele andere Kollegen. Sag mal, wir haben. Ähm, also normalerweise hast du bei uns in Unternehmen unserer Größenordnung. Hast du irgendwo Einkäufer sitzen? Die machen das, wie es so schön heißt, Die kaufen ein und dann hast du Buchhändler oder Menschen auf der Fläche, die das verkaufen. In kleineren Sortimenten, also in kleineren Buchhandlungen ist es vielfach so, dass dann die Inhaber einkaufen und die Angestellten, manchmal Buchhändler, das dann verkaufen. Das halte ich nicht für zielführend. Das halte ich für für fatal, auch weil das dazu führt, dass die Mitarbeiter dort jeden Tag Geburtstag haben. Die kriegen jeden Tag Pakete, wo sie nicht wissen, was drin ist. Und das nimmt ihnen meiner Meinung nach den Spaß an der Arbeit. Denn das entzieht sie oder es entbindet sie von der Verantwortung. Wir haben ja eigentlich alle ein Bedürfnis, Verantwortung zu übernehmen und Verantwortung zu tragen. Wenn du aber Novitäten, also Bücher einkaufst und oder eben nicht einkaufst so wie im normalen Fall, sondern die nur zu verkaufen hast, dann kannst du dich immer darauf zurückziehen und sagen keine Ahnung, warum das nicht funktioniert, ist ein scheiß Buch. Hätte ich nicht eingekauft, weiß ich nicht, warum der Alte das gemacht hat oder warum der Einkauf oder das Zentrallager, das uns hier reingestellt hat.

Jan Orthey: So, dann bist du raus aus der Nummer. Ist nicht deine Schuld. Bei uns ist es anders. Wir haben alle Warenbereiche des Hauses aufgeteilt auf die Mitarbeiter. Also jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter. Ausgelernte Buchhändler sind eigenverantwortlich für bestimmte Warenbereiche. Krimi, Natur, Tiere. So, das sind solche. Solche Themenbereiche. Und da dürfen sie und müssen auch eigenverantwortlich agieren. Also von der Sichtung der Neuerscheinungen über Vertretergespräch, über den, über den Ersteinkauf der Novitäten, über die Präsentation Was kommt auf welchen Platz? Tisch, Rampe, Regal bis über den Nachbezug hin zur Remission. Also was eben nicht verkauft wurde. Das ist im Buchhandel so, kann vielfach wieder zurück zum Verlag. Das machen die alles eigenverantwortlich. Wir haben keine Budgets. Gibt es bei uns im Haus nicht. Jeder darf machen, was er will. Das ist etwas, was wundervoll ist für alle, die hier arbeiten. Also, wenn. Wenn du. Wenn du Bock auf auf Verantwortung hast, wenn du Bock auf Buchhandel in Eigenverantwortung hast, dann bist du bei Buch genau richtig. Denn anders als die anderen, die jeden Tag Geburtstag haben müssen, stehen meine Mitarbeiter und alle Kollegen vor ihren Regalen und sagen Guck mal da hinten. Alles, was da steht. Das sind alles gute Bücher. Und ich kann dir zu jedem Einzelnen genau sagen, warum es ein gutes Buch ist. Denn ich habe es eingekauft.

Jan Orthey: Und das ist im Mindset 180 Grad gedreht. Du hast Bock auf das, was du tust. Du merkst auch natürlich funktioniert irgendwas manchmal nicht. Fehler gehören dazu. Fehler sind wichtig. Fehler sind elementar. Ich sage mal so, so, so spielerisch. Ich freue mich über jeden Fehler, solange er neu ist. Und so funktioniert das bei uns auch. Das heißt also, jeder kann sich mal verkaufen? So nenne ich das. Das heißt also irgendwas einkaufen, was eben nicht funktioniert. Wurscht, haben wir probiert, hat nicht funktioniert, ist nicht schlimm, macht in der Summe überhaupt keinen Unterschied. Aber dadurch, dass wir so viele Spezialisten im Haus haben und wir ein. Wir haben fast 70.000 Bücher hier im Haus und jedes einzelne davon ist handverlesen. Bei jedem Einzelnen kann ich dir die Geschichte erzählen, warum das da steht. Und das ist das Einzigartige dabei. Das ist etwas, was eben auch nur wir können. Und das ist, was wir perfektioniert haben. Diese, diese Motivation, dieses Miteinander, dieses miteinander fiebern auch. Und wir können dadurch, dass wir keine Budgets bei uns im Haus haben, viel schneller auf Trends reagieren. Früher habe ich immer Fifty Shades of Grey als Beispiel genommen. Mittlerweile gibt es viel schönere Beispiele, nämlich New Adult zum Bereich Leseförderung oder oder. Also dass man aber sagt, die Jugend liest ja nicht mehr, das war noch nie so falsch wie heute. Was im gesamten New Adult Bereich passiert im Moment. Das sind also die, die die Romane, die, die mit schöner Ausstattung, die toll haptisch wundervolle Bücher produzieren mit gutem Inhalt.

Jan Orthey: Und das sind für vielfach Leserinnen von 14 bis 38. Und das ist ein richtiger Community Gedanke, der dahinter entstanden ist dabei. Das heißt, das ist etwas, was stationär funktioniert. Das funktioniert nur sehr, sehr rudimentär im Onlinebereich, weil die Leute sich hier bei uns im Haus treffen. Die kommen hierher und Newald war früher ein Regal. So, und vielleicht noch so ein bisschen so eine kleine Sonderpräsentation auf dem Tisch. Ja, mittlerweile sind das. Jetzt lass mich überlegen. Sieben Tische, drei Regale inklusive Rampen und allem, was dazugehört. Nur New Adult. Das ist der große Umsatzträger überhaupt im stationären Sortiment Aktuell. Und die Geschwindigkeit des Wachstums dieser Warengruppe können wir nur begleiten und auch nur stemmen, weil wir keine Budgets haben. Weil die Kollegen nicht sagen müssen Oh, guck mal, hier habe ich schon wieder nichts mehr. Und ich habe so, ich habe so einen hohen Umsatz, Ich kriege mein Warenbezug aber nicht hin, weil ich ja nur so und so viel einkaufen darf. Haben wir nicht, sondern wir reagieren sofort. Wir reagieren umgehend damit und wir reagieren viel schneller, als das über normale Befehlsketten möglich wäre. Wenn ich dann nämlich. Oder wenn die Kollegen, den Vorgesetzten, den noch und den noch Und irgendeiner muss das im Controlling mal freigeben. Kannst du komplett vergessen. Die Geschwindigkeit ist das A und O dabei.

Normen Ulbrich: Und ein Schlüssel, wenn ich das richtig verstanden habe. Also das erinnert mich sehr an agile Organisationsformen, Das, was aus meiner Erfahrung also oder ja, auch deiner hast du so gesagt eher untypisch ist, auch für deine Unternehmensgröße. Also weil da ist halt der Alte und der hat das Sagen und wenn ich da irgendwie dann Budget überschreite, dann muss ich den fragen, ob das okay ist. Obwohl du ja vermutlich gar keine Ahnung hast von den 70.000, also von allen 70.000 Büchern, sondern die Menschen, die da in so habe ich es verstanden, die, an denen weiß ich nicht fünf Regalen arbeiten und dafür zuständig sind, die haben ja Ahnung, von denen weiß ich nicht. 5000 Büchern, die da stehen.

Jan Orthey: Ich Genau. Ich habe in meiner Tätigkeit hier und das sind jetzt mittlerweile ja auch 18 Jahre nicht ein Buch eingekauft, weil es mir gar nicht zusteht. Und das ist eben auch das ist nicht was.

Normen Ulbrich: Meinst du mit nicht zusteht.

Jan Orthey: Wir haben Verantwortung im Haus und keine dieser Verantwortung beinhaltet, dass ich die Verantwortung über den Einkauf eines Buches hätte. Ich bin für ganz andere Sachen zuständig. Hier bei uns im Haus. Ich bin dafür da, dass es im Hintergrund reibungslos läuft, dass die Kolleginnen und Kollegen sorgen und sorgenfrei arbeiten können. Wenn es irgendwo knirscht, dann übernehme ich das. Also mit Lieferanten oder was auch immer. Das ist meine Aufgabe. Aber alles andere fällt in den Bereich der Kolleginnen. Wir sitzen natürlich jeden Monat zusammen. Also ich sitze mit mit jedem einzelnen WarengruppenVerantwortlichen jeden Monat einmal zusammen und dann gucken wir uns die Zahlen an, denn das ist nun mal mein Themenbereich Ich bin Zahlenmensch dabei. Wir gucken wie entwickelt sich die Warengruppe, wie entwickelt sich der Lagerbestand? Passt das zueinander? Haben wir irgendwo Schwierigkeiten? Müssen wir was ändern? Wollen wir was ändern? Was haben Sie an Ideen dabei? Aber das kommt dann von den Kollegen.

Normen Ulbrich: Die kommen mit. Also nicht mit dem Problem hier. Wir verkaufen zu wenig davon, sondern die kommen dann. Hier das das Problem. Folgende Idee, wie wir das lösen können.

Jan Orthey: Ich möchte also wer mit mir über Probleme spricht. Der bringt bitte auch einen Lösungsvorschlag mit. Einfach nur sein Problem bei mir abzuladen, das ist mir zu einfach. Und das möchte ich nicht. Also wer zu mir kommt und mit einem Problem und das nicht selber gelöst bekommt, der hat aber zumindest eine Idee, Die muss nicht immer. Das muss nicht die finale Idee sein. Aber ich möchte, dass derjenige sich Gedanken darüber gemacht hat, wie er sein Problem gehändelt bekommt, auch wenn er sich im Zweifelsfalle nicht selber zutraut, das zu entscheiden, was auch fein ist oder Hilfe dabei braucht. Aber was wäre das für ein Arbeiten, wenn wenn da hinten so eine Müllhalde an Problemen wäre? Und da wirft jeder einfach nur was hin und geht dann wieder.

Normen Ulbrich: Du Jan, ich finde das schön, dass du das so erlebst, aber und auch lebst, aber. Also wünschen tut sich das vermutlich fast jede Führungskraft. Aber das erlebt bei weitem nicht jede Führungskraft. Eher wenige, würde ich sagen. So wie du das gerade beschreibst. Deshalb lasst uns da ruhig noch mal ein bisschen tiefer gehen. Weil ich glaube, dass du halt auch etwas dafür tust. Ja, also dieses Thema Verantwortung abzugeben, das heißt ja ein Stück weit auch Kontrolle abzugeben und also Mikromanagement ist ja völlig, völlig unmöglich in dieser Geschichte. Also sozusagen, es hat ja auch viel mit dir zu tun, was du ermöglichst. Meine Frage wäre, als du 2006 mit deinem Vater begonnen hast, quasi das zu übergeben. War Lüneburg da schon so organisiert oder hast du das quasi dann sukzessive mit reingebracht als Idee?

Jan Orthey: In den Grundzügen war das schon so okay. In den Grundzügen war das so, dass eben jeder seine WarengruppenBereiche hatte. In den Anfängen war das bei meinem Vater noch so, dass die. Dass es Budgets gab, Ja, aber das haben wir sehr schnell sein lassen dabei aber die Grundzüge dieses Arbeitens, die sind in der Tat schon vorher gelebt worden.

Normen Ulbrich: Also auch, dass Verantwortung quasi da übernommen wird, Entscheidungen da getroffen werden, wo sie anfallen. Ja.

Jan Orthey: Okay, hat glaube ich auch einen Riesenvorteil, dass wir wir machen es ja in dritter Generation in der Summe und nicht einer. Weder mein Großvater noch mein Vater noch ich sind gelernte Buchhändler. Wir sind alle. Also ich bin Betriebswirt. Mein Vater ist Diplomkaufmann und mein Großvater konnte auch gut mit zahlen. Das ist, glaube ich, auch so ein kleines Geheimnis des Erfolges. Machen zu lassen. Und machen lassen ist viel einfacher, wenn man selber gar nicht so tief in der Materie drinsteckt.

Normen Ulbrich: Das stimmt. Das ist in großen Organisationen oft eine Diskussion Wie viel Fachwissen muss eine Führungskraft haben oder wie wenig darf sie? Also du schilderst gerade den Kopf, das heißt deine, deine These oder deine Erfahrung Hier ist welche.

Jan Orthey: Meine Erfahrung ist, dass wenn du mit guten Leuten arbeitest, du also Fachwissen im in der Sortimentstiefe ist in meinem Konstrukt hier auch nicht förderlich.

Normen Ulbrich: Da kommen eher reinregieren.

Jan Orthey: Genau da kommen wir wieder dazu. Ich habe nie ein Buch eingekauft, das würde sich glaube ich anders verhalten, wenn ich wüsste. Oder wenn ich sagen würde, An dem Titel liegt mein Herz. Das habe ich. Das ist so toll, das müssen wir unbedingt einkaufen. Die Kollegin sagt, die die Warengruppe betreut ist, fand ich scheiße. Das will ich nicht. Ich will nicht, dass es bei mir im Regal steht. Ich möchte das nicht. Und dann hast du ein Problem. Dann kannst du eigentlich nur sagen okay, dann machen wir das eben nicht, gehst aber mit Bauchgrummeln da raus. Das haben wir gar nicht. Also ich lese auch, ich lese gerne, ich lese viel, aber ich ich lese ganz anders dabei. Und ich habe eine ganz andere, eine ganz andere Wahrnehmung auf den Literaturbetrieb. Ich bin dafür da, dass die Bezugskonditionen stimmen. Ich bin dafür da, im Hintergrund zu gucken, dass wir reibungslose Bezugswege haben, dass das alles rechtzeitig hier ist, dass das, dass wir dort nichts haben, wo es irgendwo knatscht. Das heißt also, die Kollegen sind auch davon befreit, sich auch noch Gedanken darüber machen zu müssen, Wo bestelle ich was? Wir haben eine Verlagsbestellung, wir haben Großhändler, Bestellungen, Möglichkeiten und Ähnliches. Also wo bestelle ich was und reichen die Konditionen überhaupt, damit wir hier arbeiten können? Der gesamte betriebswirtschaftliche Bereich, der liegt bei mir und die Kollegen können das machen, was sie eigentlich wollen, nämlich Bücher einkaufen und vor allen Dingen Bücher beraten.

Normen Ulbrich: Ja gut, dann freuen die sich über das über das Geschenkepaket, was da kommt. Natürlich umso mehr, weil weil sie ja wissen irgendwie oder hoffen, dass das und das drin ist.

Jan Orthey: Sie wissen ja, was drin ist. Das ist ja genau der Unterschied, weswegen ich das so ketzerisch gesagt habe, die anderen haben jeden Tag Geburtstag, kriegen Pakete, wo sie nicht wissen, was drin ist. Haben wir nicht. Wir wissen, was da drin ist und wir wissen, dass das gute Sachen sind.

Normen Ulbrich: Genau. Und ich warte vielleicht schon sehnsüchtig darauf. Das ist natürlich eine andere Erwartungshaltung. Du, du hast eben in einem Nebensatz gesagt, Du brauchst dann also kompetente, fähige Menschen, die sozusagen ihre Arbeit machen. Und das stellst du quasi sicher durch diese intensive Ausbildung.

Jan Orthey: Nicht nur, sondern bei uns bewerben sich natürlich auch viele Menschen abseits der Ausbildung. Wir haben stetig Initiativbewerbungen dabei. Zum einen haben wir uns in der Buchhandelswelt durchaus einen Ruf erarbeitet als solider und und guter Arbeitgeber, Ja. Gleichzeitig wissen die Leute aber auch, was wir machen. Und wer Bock darauf hat, eigenverantwortlich zu arbeiten, der ist hier auch richtig. Und das wird sehr, sehr schnell klar. Schon im ersten Gespräch, das wir hier. Wir brauchen hier keine Söldner. Vereinfacht gesagt. Also das ist nicht unsere Idee und wir brauchen hier auch keine Mitläufer, keine Leute, die einfach morgens kommen und nachmittags wieder gehen. Auch die sind hier fehl am Platze. Da kommen ja noch die Vielzahl an Veranstaltungen mit dazu, die wir machen. Wir überlegen in einem normalen Jahr machen wir selber und begleiten knapp 200 Veranstaltungen. Wow, also das sind einmal unsere eigenen Lesungen und und und Workshops und weiß der Geier was wir da alles machen. Also wir haben, wir haben das Lüneburger Lesefest, wir haben Lernhilfen, Messe, wir haben unser Krimifestival, alles mögliche an Lesungen und Veranstaltungen nebenher noch. Und dann gibt es ja alles Mögliche an Büchertischen noch. Also wenn die literarische Gesellschaft in Lüneburg was macht, wenn das Literaturbüro was macht, dann sind wir dort präsent mit Büchern, damit die Gäste dort auch eine Möglichkeit haben, sich was mitzunehmen. Das musste ja alles mal stimmen. Das musst du auch. Darauf musst du auch Lust haben, dann deine Abende nicht selten nicht zu Hause zu verbringen, sondern woanders. Ja, natürlich haben wir eine. Das läuft alles über eine minutengenaue Zeiterfassung. Jede Minute wird hier erfasst und auch entsprechend entlohnt. Beziehungsweise dann in Freizeit ausgeglichen. Also keiner arbeitet hier mehr als 40 Stunden. Manchmal schon, aber dann wird es eben abgefeiert. Aber das ist nicht ausbeuterisch, was wir hier machen. Das ist mir auch immer ganz wichtig. Man stelle sich ein, man stempelt sich aus. Alles fein So.

Normen Ulbrich: Und trotzdem ist es ja, wenn nicht.

Jan Orthey: Mehr belastend. Es ist eine Mehrbelastung. Gerade wenn ich jetzt das Krimifestival mir angucke, das sind zweieinhalb Wochen am Stück, wo wir jeden Abend Veranstaltungen haben. Natürlich verteilt sich das hier auf viele Schultern. Aber du bist dann eben alle. Jeden zweiten oder jeden dritten Tag bist du abends eben nicht zu Hause. Mhm.

Normen Ulbrich: Okay. Das heißt, die was du bietest, ist sozusagen Verantwortung. Auch Entscheidungsfreiheit in da wo sie getroffen wird. Es ist ganz spannend. Ich war vor vor kurzem auf einer Konferenz, da hat der der CEO von Bayer über seinen sein Konzept der stellt ja gerade die Organisation, also diesen Chemiekonzern, komplett um und dass sein Ziel ist es, dass 95 % aller Entscheidungen da getroffen werden, wo sie entstehen. Und ich gucke mal, ob ich seine Adresse finde. Ich verlinke euch mal dann, ne, aber der ist da auf einem guten Weg. Aber das ist ja sozusagen das was war jetzt mein Bild, was du hier auch geschaffen hast oder was du in Teilen auch übernommen hattest. Das eine große Verantwortung nicht bei dem Chef.

Jan Orthey: Fehlertoleranz, das ist auch ganz wichtig.

Normen Ulbrich: Das hatte ich mir auch aufgeschrieben, das den Begriff Fehlerkultur, so würde ich ihn nennen. Wie genau kannst du uns dazu noch ein bisschen was erzählen? Also den Spruch fand ich ganz gut. Ich freue mich.

Jan Orthey: Über jeden Fehler, solange er neu ist.

Normen Ulbrich: Genau den finde ich gut, weil man sagt das ja auch so umgangssprachlich. Einmal ist keinmal und ich glaube, das was da drin steckt, ist genau das, was du sagst, nämlich das. Die Frage ist, lerne ich dann aus dem Fehler? Wir behaupten das ja immer, dass wir aus Fehlern lernen. In den meisten Organisationen und das würde ich sagen fängt in der Schule schon an, erlebe ich das leider gar nicht, weil ich ja bestraft werde für einen Fehler. Und zwar für den ersten schon. Also ich schreibe eine Arbeit, die wird schlecht. Kriege ich eine fünfte Dann ist ja die Frage, ob ich das jetzt, ob ich nach Hause komme und sage Ey, Mama, Papa, guckt mal, wie geil. Ich habe eine Fünf gekriegt. Was für eine. Was für eine Lernchance steckt denn da jetzt drin? Ähm, das habe ich nie so erlebt. So und. Aber das müsste ja ein Stück weit die Kultur sein zu sagen Hey, hier haben wir einen Fehler gemacht. Ähm, aber wir haben was ausprobiert, das hat dann nicht geklappt. Aber das ist ja nicht schlimm. Aber was lernen wir daraus? Und ich glaube, diese Kultur. Ist zumindest so meine Beobachtung. Die ist nicht automatisiert da. Aber ihr müsst die ja haben, wenn ihr das so. Wenn ihr so agiert wie wie kommt es dazu? Was würdest du sagen?

Jan Orthey: Ich glaube, dass es viel auch daran liegt, dass wir so viele Entscheider haben. Also kaum ein Fehler, den jemand hier machen könnte, wäre existenzbedrohend für das Unternehmen.

Normen Ulbrich: Das ist spannend.

Jan Orthey: Das ist ja wurscht. Und das ist etwas, wo ich auch reingewachsen bin. Also ich bin unfassbar ruhig geworden in den letzten, gut in den letzten fünf Jahren noch mal deutlich mehr. So what? Ist doch wurscht. Also sei doch froh, dass derjenige diese Entscheidung getroffen hat. Und wenn wir jetzt mal Wir sind ja Einzelhändler, das heißt, wir haben eben auch mit Endkunden zu tun, und zwar überwiegend. Und dann ist mal irgendwas an die Wand gelaufen, dann ist irgendwas falsch gelaufen und dann irgendwann eskaliert das manchmal auch und dann komme ich mit dazu und dann hat man einen aufgebrachten Kunden da. Und dann habe ich ja auch zwei Möglichkeiten als. Als Unternehmer, als Eigentümer, als Inhaber und als Chef. Ich kann da hingehen und sage ja, das, was die Kollegin gemacht hat, das war total doof und falsch und es tut mir total leid und stell sie dann auch noch bloß. Oder aber egal welche Entscheidung sie getroffen hat, ich stelle mich da hin und sage ja, das hat die Kollegin gemacht, weil das meine Anweisung war. Ob das stimmt oder nicht, ist völlig egal. Erst mal die Kollegin aus der Schusslinie nehmen vor. Sie stellen dann das Problem. Mal anhören und dann mal überlegen, wie wir da eine vernünftige Lösung hinkriegen, dass alle ihr Gesicht wahren. Und letzteres ist das, was wir machen. Letzteres ist das, was hier passiert. Also du wirst es nicht erleben, dass ich irgendeinem Mitarbeiter in die Pfanne haue.

Normen Ulbrich: Mhm. Gut. Das ist das.

Jan Orthey: Bewusst oder unbewusst? Manchmal kommt es ja auch im Affekt so, dass man sagt Ja, was haben Sie denn da gemacht? Nein, die hat das schon richtig gemacht. Sie hat nämlich entschieden.

Normen Ulbrich: Und das ist ja das, was du willst. Natürlich, Wenn du das jetzt in Frage stellen würdest, dann natürlich. Das ist ja das Aufhören.

Jan Orthey: Was ich hier vorlebe, ist ja nur das, was ich auch erwarten kann. Und das ist eingangs sagte ich ja auch wenn jemand mit einem Problem zu mir kommt, möchte ich schon einen Lösungsvorschlag. Das heißt, selbst wenn jemand kommt und sagt das und das ist mein Problem, ist ja die Gegenfrage Was ist denn Ihre Idee, das zu lösen? Und das ist das Einfachste überhaupt. Und wenn du sagst viel, viele wünschen sich das, wäre das die simpelste Art und Weise, sich das zu erarbeiten. Nämlich erst mal das Problem selber aufnehmen, gleichzeitig aber auch das Problem zurückzugeben. Zu sagen, ich hätte von Ihnen gerne einen Vorschlag und wenn Sie den noch nicht haben, ist auch nicht schlimm. Ich denke darüber nach, Sie denkt darüber nach. Und dann treffen wir uns morgen wieder.

Normen Ulbrich: Vielleicht doch noch eine Idee mit Blick auf die Zeit. Ich habe gleich noch eine Abschlussfrage an dich. Wenn du, sagen wir, es kommt ein neuer Mitarbeiter, eine neue Mitarbeiterin zu dir und die hat ihn oder der hat in diesem Kompetenzfeld, was du brauchst. Also ich treffe Entscheidungen, ich agiere, ich kaufe für weiß ich nicht ein paar 1.000 € Bücher ein und verantworte das dann auch, wenn die die Kompetenz noch nicht mitbringen oder die den Mut, die Stärke, was auch immer dafür notwendig ist. Was tust du aktiv dafür, um das zu fördern, weiterzuentwickeln? Wie? Wie geht. Wie gehst du? Oder wie geht ihr damit um?

Jan Orthey: Das geht in erster Linie über. Über Sicherheit vermitteln und Selbstbewusstsein stärken.

Normen Ulbrich: Was macht ihr dafür? Habt ihr da irgendwie Formate? Zum einen wird.

Jan Orthey: Niemand hier ins kalte Wasser geschmissen. Das passiert nicht, wenn jemand. Wenn jemand bei uns anfängt, der noch nicht so weit ist, dann hat er diese Kompetenz auch noch nicht. Wir haben. Kommen wir wieder zurück zu den Auszubildenden, Weswegen ich auch sagte, Die, die bei uns das Unternehmen verlassen oder wer bei uns eine Ausbildung abgeschlossen hat, ist vollwertig einsetzbar. Wir haben eine eigene Azubi Warengruppe. Das heißt also, die Auszubildenden im dritten Lehrjahr bekommen die volle Verantwortung für einen WarengruppenBereich? Ja, genauso wie die großen NovitätenSichtungen Vertretergespräch, Ersteinkauf, Warenpräsentation, Nachbezüge, Remissionen alles in deren Verantwortung. Damit sie üben können. Denn ich kann doch nur auch das verlangen, was schon mal geübt wurde. Und ich möchte doch, wenn jemand. Wenn sich jemand bei mir bewirbt und sagt Guck mal, ich bin frisch ausgelernter Buchhändler. Und ich frage Und haben Sie schon mal was eingekauft? Der schüttelt mit dem Kopf. Dann fehlt doch ein elementarer Baustein der Ausbildung, zumindest.

Normen Ulbrich: In deiner Organisation. Also zumindest in.

Jan Orthey: Meiner. Genau. Natürlich alle Auszubildenden. Anderes Beispiel noch. Machen auch eine. Sind gezwungen, wenn man so will, eine eigene Veranstaltung zu machen. Und zwar von der Idee Grundkonzeptionierung, Planung, Organisation, Ausführung. Die sprechen dann auch die Autoren an, die sie haben wollen. Die bereiten die Lesungen vor oder was auch immer sie dann worauf sie Bock haben. Das machen die alles eigenverantwortlich. Natürlich in Begleitung, natürlich mit Rücksprache. Aber am Ende des Tages können sie dann danach sagen Ich habe schon mal selber eine Lesung durchgeführt, und zwar von Anfang bis Ende und gleichzeitig auch im Warengruppenbereich. Ich habe schon mal eine Warengruppe geführt und das ist ja das Elementare. Das heißt also, selbst wenn einer neu anfängt, um die Frage abzuschließen Kriegt er von uns also nicht von mir, von den Kollegen die nötigen Skills, um das Ganze zu machen. Und dann arbeiten wir uns langsam dahin. Dann sitzen wir ich ja auch mit derjenigen oder demjenigen dann wieder zusammen und dann sprechen wir miteinander und dann geht es um Befindlichkeiten. Wie fühlst du dich? Wie geht es dir? Traust du dir das zu oder brauchst du irgendwo noch was?

Normen Ulbrich: Und dann entwickelt ihr die quasi weiter. Du hast ja vorhin auch von von Azubiunterricht gesprochen. Hausintern. Genau richtig.

Jan Orthey: Wir haben eine Ausbildungskoordinatorin bei uns im Haus. Die ist verantwortlich für diesen Azubiunterricht. Und der wiederum ist so gestrickt, dass alle Azubis zusammen das machen, dass Azubis von Azubis lernen.

Normen Ulbrich: Ach so, also die unterschiedlichen Lehrjahre. Genau richtig.

Jan Orthey: Das heißt also, es werden immer Aufgaben verteilt, die werden dann ausgearbeitet in der Zwischenzeit und dann 14 Tage später werden diese Aufgaben präsentiert. Ja, ich bin immer noch der Meinung, was du selbst erklären kannst, hast du auch verstanden. Und so sind wir in einem kontinuierlichen Prozess auch bei den Auszubildenden dabei, dahin zu kommen, dass sie es wirklich verstanden haben. Lernen kannst du alles, aber das kannst du dann auch wieder vergessen. Aber was du verstanden hast, das bleibt.

Normen Ulbrich: Und ich würde annehmen, dass das auch die die Relevanz ja viel größer ist, weil wenn, wenn die Kollegen und Kolleginnen, die das jeden Tag machen, mir Sachen beibringen. Also so Peer Learning heißt, nennt man das das Format. Also Kollegen und Kolleginnen erklären anderen Dinge, dann werden die ja auch nicht irgendwas Theoretisches erklären, was im Curriculum von irgendwem steht, sondern die erklären das, was die brauchen. Richtig. So richtig.

Jan Orthey: Und darum geht es mir ja auch. Ich will ja keinen Frontalunterricht hier oben haben, sondern das soll, ja, das soll ja einen Bezug zur Arbeit haben, einen echten. Vielleicht auch noch ganz spannend, wenn wir Leute einstellen. Und da ist es mir auch völlig egal, welche Position das ist, also ob Auszubildender oder Prokurist, ist mir völlig wurscht. Jeder arbeitet bei uns eine Woche Probe ist auch scheinbar ungewöhnlich. Verstehe ich überhaupt nicht, weil wir ja Arbeitsverträge mit einem Ziel schließen wollen. Wir wollen ja dann lange gemeinsam arbeiten. Da sollten wir doch jede Chance wahrnehmen, dass derjenige einen richtigen Einblick ins Unternehmen bekommt und nicht mal so ein Probetag oder so einen Schnuppertag oder so und wir wollen doch auch als Team wissen was ist denn das für eine oder für einer? Wie tickt der wirklich?

Normen Ulbrich: Das heißt, das ist auch ein großer Teil des Ziels von dieser Prowoche.

Jan Orthey: Das ist das ist der Haupt. Es geht nicht um fachliches dabei, sondern es geht rein um um um Menschliches. Also menschelt es oder nicht? Und die Entscheidung, ob jetzt ein Arbeitsvertrag oder ein Arbeitsverhältnis zustande kommt oder nicht, die wird primär auch nicht von mir entschieden, sondern das Team gibt mir einen Daumen hoch oder Daumen runter.

Normen Ulbrich: Also die über 30 Menschen, die hier arbeiten.

Jan Orthey: Genau deswegen auch eine Woche, damit jeder mal die Chance hat, den kennenzulernen, den mal zu sehen. Oder die mal zu sehen und mal zu beschnuppern Und gleichzeitig auch für die Bewerberinnen und Bewerber auch die Möglichkeit zu sagen ich formuliere das in meinen Bewerbungsgesprächen so Danach haben sie die Möglichkeit zu sagen Ihr seid doch alle völlig bescheuert. Macht euren Scheiß mal alleine. Oder aber ihr seid doch alle völlig bescheuert. Hier will ich unbedingt hin. Ja, das ist genau das. Wir müssen alle. Wir müssen alle. Haben wir irgendwie einen Schuss? Wir sind alle literaturkrank hier. Wir brauchen das. Wir sind alles Junkies. Und dann wollen wir natürlich auch einen passenden Junkie dazu haben. Und deswegen machen wir das.

Normen Ulbrich: Ich würde sagen, das ist in jeder Branche, die ich begleite, Ist das eigentlich ähnlich. Also du, du, du. Wenn du für was brennst, dann ist es auch viel einfacher. Bei dir sind es abends Abendveranstaltungen, bei anderen sind es andere Dinge, irgendwie mal eine Extrameile zu gehen oder mal mit einer Krise umzugehen oder was auch immer so passiert. Aber genau wenn dafür. Also woher soll ich das wissen? Wenn ihr mögt, dann irgendwie eine gute Employer Brand haben. Also das klang ja vorhin raus, auch wenn du das so nicht genannt hast. Aber am Ende ist das ja so, wenn wenn ihr namhaft seid in eurem eurem Bereich. Ähm, aber am Ende ist das ja nur eine Außendarstellung. Also ich. Ich kaufe eigentlich die Katze im Sack. Ähm, und das, also das dem Fokus, den du da hast, den finde ich schon ziemlich cool zu sagen Hey, investiere ein bisschen Zeit, wir machen das auch und dann lernen wir uns kennen. Und wenn hinterher immer noch bei uns beiden irgendwie die Idee ist, das könnte richtig geil werden, dann. Dann wagen wir es. Richtig?

Jan Orthey: Richtig. Und sonst haben wir ja immer. Sonst hast du auch eine viel zu hohe Fluktuation.

Normen Ulbrich: Also klar. Logisch. Weil wenn ich hier eine Zehn Zehnerkarte und dann kriege ich noch eine Sechs, dann gucke ich halt, wo ich die zehn kriege. Nee.

Jan Orthey: So ganz genau.

Normen Ulbrich: Was immer die Bewertung auch ist.

Jan Orthey: Was immer das bedeutet, dann für den Einzelnen. Aber ich finde das so, so schade, wenn wenn dann Zeit, Energie und Geld verschwendet wird von beiden Seiten, mit einer Erwartungshaltung, die dann nicht erfüllt wird. Dann lieber mit offenen Karten spielen und einmal richtig reingucken lassen. Einmal nackig machen, gucken, zeigen. Das bin ich und das können wir. Und was kannst du? Und dann entweder Daumen hoch oder Daumen runter. Ja.

Normen Ulbrich: Toll, Jan. Bevor ich zu meiner Abschlussfrage komme, finde ich, das muss ich echt sagen Coole, coole Ansätze, die ich aus dem einen oder anderen Buch kenne. Auch aus dem einen oder anderen Unternehmen. In der Regel aber deutlich größer als du. Finde ich geil, dass du dich da. Und dass ihr euch hier so auf diese diese Reise gemacht habt. Und wahrscheinlich ist das auch ein Wer so meinen Blick von außen ein. Ein Baustein, Vielleicht sogar ein ganz großer Baustein, dass das ja auch in meiner Außenwahrnehmung irgendwie ziemlich cool dasteht. Vielleicht kurzer Sidekick. Äh, wir waren im. Vor ein paar Monaten hatten wir hier in Lüneburg. Also ich habe ein Remote Team, ähm und wir treffen uns einmal im Jahr in der Regel hier in Lüneburg und ähm, da waren zwei dabei. Die haben es letztes Jahr nicht geschafft, in diese tolle Buchhandlung Lüneburg reinzugehen. Und dieses Jahr haben wir in unserer, äh, in unserem Ablaufplan auf jeden Fall die die Stunde reserviert, dass die vor Ladenschluss hier noch mal durchstöbern konnten. Und die zwei waren Karin und Thorsten. Die zwei waren mega begeistert. Vielen Dank dafür. Also das als kurzes Feedback an meine Abschlussfrage Welche Pressemitteilung würdest du gerne von dir, deinem Unternehmen oder auch über das Thema Verantwortung Einführung in den nächsten zwölf Monaten lesen.

Jan Orthey: Jetzt sind wir mal vorher schon mal stellen können. Da hätte ich schon mal drüber nachdenken können. Welche Pressemitteilung möchte ich über uns lesen oder genau, Kann sein.

Normen Ulbrich: Über über euch als als Buch oder über dieses Thema, über das wir uns unterhalten haben Oder über dich? Welche Pressemitteilung würdest du gern lesen?

Jan Orthey: Da hast du mit mir jetzt jemanden gefunden, der eigentlich gar nicht so gerne was über sich selber liest. Das ist ja das nächste dabei. Ich würde mich viel mehr freuen, wenn wir was hätten, abseits von uns. Mehr über über die Lüneburger Innenstadt insgesamt. Denn wir können hier den besten Job machen der Welt. Wenn um uns herum die Landschaft austrocknet, dann kommt halt auch irgendwann keiner mehr. Und nun sind wir in Lüneburg immer noch gut dabei. Das muss man wirklich sagen. Und wir? Es wird auch wieder. Ich mache mir da überhaupt gar keine Sorgen. Aber wenn es um Pressemitteilungen gehen würde, wäre, würde ich mir wünschen, dass man das man sagt. Letzter Leerstand in Lüneburg wieder belegt. Okay.

Normen Ulbrich: Schön. Dann gucken wir mal! Ich werde hier die die Presse in der Stadt ein bisschen begleiten und ein Auge drauf haben. Ich sehe auch die Läden. Wenn ich hier durch bummle und auf dem Weg zu dir bin. Und insofern herzlichen Dank für deine Zeit und die tollen Antworten. Ich glaube aber viel Inspirierendes dabei. Danke Dir!

Ich danke dir.

Normen Ulbrich: Das war eine neue Folge von Führen mit Herz und Verstand. Toll, dass du dabei warst und dir die Zeit genommen hast. Wenn es dir gefallen hat, hinterlasst mir doch bitte direkt jetzt eine positive Bewertung. Ich wünsche dir eine tolle Zeit und gutes Gelingen bei dem, was auf dich wartet.

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